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 Der Bote Cytrais
Areban Offline




Beiträge: 1.020

13.01.2010 23:38
RE: Gewebte Geschichte, 13.Eismond 510 NDE Antworten

[Eine Lesergeschichte, 13.Eismond 510 NDE]

[Cetirest]

Heute wanderte ich wie so oft durch die Gärten des Palastes, in dem wie ich hörte auch der Hohepriester gerne seine Zeit verbringt. Es ist der Palast der Sternenseher, der Astronomen, wie man heutzutage gerne sagt. Menschen, die Ameisengleich versuchen anhand der Brotkrumen am Himmel den Willen Elos zu lesen. So wie eine Ameise versucht den Weg zur Quelle der Nahrung anhand der Krümel eines gedeckten Tisches zu finden. Dies ist ein Tempel der Zukunft und der Vergangenheit, nicht zuletzt deshalb wurde dieser Ort dazu bestimmt das Gedenken der Männer zu bewahren, welche im Dienste der Kirche gefallen sind. Die Elosdeuter, Sternenseher, Astronomen, glauben anhand der Fragmente des Himmlischen Herschers im Leibe Eraks, seinen Willen erkennen zu können. Ich glaube vieles zu erkennen, aber nicht anhand der Sterne, sondern anhand des Wandteppichs, der die Korridore der Tempelanlage ziert.

Hier sind sie vermerkt, jeder Toter, jeder Vermisster, jeder der nie von jenseits des Walls zurückgekehrt ist. Hier stehen ihre Namen, die Zeit ihrer Geburt und ihres Todes, auch jene, welche noch leben könnten, sind dort vermerkt. Ihr Leben ist verloren, denn wenn sie nicht zurückkehrten, dienen sie nun der Nacht oder sind gefangen in den Kerkern des Nordbundes. Doch ist nich die länge des Teppichs das was mich schreckt, es ist die Farbgebung.

Die alten Teppiche, Eingangs des Tempels sind dunkel, ihre Schrift ist kaum mehr lesbar, verdeckt durch den Ruß, den abertausende von Fackeln in Jahrhunderten verbreitet haben. Die neuen Teppiche scheinen hell im Licht der Kerzen und Fackeln. Kaum bemerkbar ist die Naht, mit der sie an ihre Vorgänger angeknüpft wurden, doch die Farbe, die Helligkeit unterscheidet sie deutlich. Jedes Jahr hat Baumringen gleich eine eigene Farbe. Fast schwarz in schwarz dämmen die ersten Teppichfragmente das Licht. Jedes folgende Jahrhundert schimmert heller, die eingestickten Namen werden erkennbarer, als wäre der Teppich ein Spiegelbild des Gedächtnisses der Menschheit.

Am Ende des Ganges, leuchten die Farben hell, wie die Sterne, welche die Fragmentdeuter, die Astronomen zu lesen versuchen, springen einem die Namen ins Augenlicht. Sie alle zu lesen würde ein Leben bedeuten. Ihr Leben zu verstehen, eine Ewigkeit kosten. Heller und heller wird der Gang und je länger der Krieg dauert, umsomehr Farben kann ich an den Wänden entdecken, nicht verdeckt durch den Ruß der Fackeln und der Zeit. Es sind tote Namen die ich lese. Todesdaten die sich mir aufdrängen. Jeder Name ein Zweitgeborener, ein Sohn, eine Tochter, eine Hoffnung, verloren.

Ich gehe weiter, hoffe das mehr Licht in die Gänge fällt, das die Namen noch heller strahlen. Doch vergebens, längst bin ich in meiner Zeit angekommen, vor und hinter mir ändert sich die Farbe des Teppichs nicht mehr, es sind alles meine Brüder und Schwestern. Männer und Frauen die nicht älter als ich waren, als sie Urel zu Elos führte.

Ich weiß das im Palast unseres Königs ein ähnlicher Teppich an den Wänden hängt, er ist kürzer, doch er ist genauso hell.

Testol von Diehl. Ein Leser des Boten.

Alle Sorge hat ein Ende, wenn wir einen festen Entschluß gefaßt haben.
Marcus Tullis Cicero 106-43 v.Chr.

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